ÖkonomiederMedieninhalte

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Ökonomie der Medieninhalte.
Allokative Effizienz und Soziale Chancengleichheit in den Neuen Medien
© copyright 1999-2001 Dietmar Detering. All Rights Reserved.

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4.5 Fazit

Die Betrachtung von Medieninhalten als homogene öffentliche Güter führte zunächst zu der Erwartung, dass die private Bereitstellung zu Einheitspreisen zu einer quantitativen Unternutzung und Unterversorgung führen muss. Nur eine Lindahl-Bepreisung führt den Markt für homogene Medieninhalte in ein wohlfahrtsoptimales Gleichgewicht, in dem es keinen Nutzerausschluss gibt und jeder Nachfrager seinen Bedarf vollständig befriedigt. >>216<<

Eine genauere Betrachtung der ökonomisch relevanten Eigenschaften der Medieninhalte zeigt aber, dass der Vergleich zu homogenen öffentlichen Gütern zu kurz greift. Die rein quantitative Beurteilung des Marktergebnisses muss um Vielfalt und Qualität als ebenso wichtige Werte ergänzt werden. Der Markt für Medieninhalte stellt sich dann als ein Wettbewerb differenzierter Güter dar, der Gegenstand der Theorie des monopolistischen Wettbewerbs ist. Verschiedene ökonomische Modelle dieser Wettbewerbsform kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die meisten Formen des Wettbewerbs zwischen Inhalteanbietern scheinen jedoch zutreffend durch die räumlichen Modelle abgebildet zu werden, welche ein Überangebot differenzierter Güter mit suboptimaler Qualität und zu hohen Preisen prognostizieren.

Dieses Ergebnis scheint mit beiläufigen Wahrnehmungen des Marktangebots übereinzustimmen:114 Zwar werden Nachfrager von der Nutzung mancher Medieninhalte über den Preis ausgeschlossen, was vor allem für kaufkraftschwache Nachfrager ein ernstes Problem sein kann. Bei vielen anderen Medieninhalten, vor allem bei Unterhaltungsangeboten, kann man aber eher ein gegenteiliges Phänomen beobachten: Attraktive Angebote sind in überwältigender Zahl vorhanden, und die Preise der Güter sind so niedrig, dass man sich mehr von ihnen finanziell leisten kann als zeitlich überhaupt möglich ist. Die wirksame Konsumschranke ist nicht die Knappheit des Angebots oder die Höhe der Preise, sondern die zur Inhaltenutzung verfügbare Zeit. Eine Abnahme der Angebotsvielfalt hätte also kaum Nutzeneinbußen zur Folge, könnte aber zu einer beträchtlichen Preissenkung für die Güter führen, da eine größere Zahl Nachfrager an der Produktion eines einzelnen Medieninhalts finanziell beteiligt würden. Besonders aber die von den räumlichen Modellen prognostizierte zu geringe Produktqualität stellt angesichts der hohen (Zeit-)Opportunitätskosten der Inhaltenutzung ein ernsthaftes Problem dar.

Erstaunlicherweise gerät trotz der besonderen Probleme auch ein monopolistischer Wettbewerb in ein wohlfahrtsoptimales Gleichgewicht, wenn die Anbieter Preise erheben können, die den Lindahl-Preisen für homogene öffentliche Güter ähneln. Eine solche perfekte Preisdifferenzierung ist jedoch ein Phantom, da sie unter normalen Umständen nicht zu realisieren ist. Zwar sind die traditionellen Formen der Preisdifferenzierung hilfreich, das Versagen des Marktes für Medieninhalte zu lindern, doch können sie nicht einmal annähernd ein vollkommenes Lindahl-Gleichgewicht erreichen.

Im folgenden Kapitel wird ein neues Vermarktungsverfahren für Medieninhalte entwickelt, das zumindest innerhalb der Neuen Medien eine annähernd perfekte Preisdifferenzierung beim Inhaltevertrieb ermöglicht. >>217<<

    114 Eine objektive empirische Ermittlung einer überoptimalen Vielfalt und einer suboptimalen Qualität ist nicht möglich, da eine Bewertung notwendigerweise auf subjektives Empfinden angewiesen ist (vgl. Eaton und Lipsey 1989: 59-61).

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